“ es war seinerzeit in Wien “


Stille Nacht

Stille Nacht

Es gilt die Meinung weit und breit, daß Weihnachten die stillste Zeit,
doch scheint daß , wenn sie erlauben, daß dies ein alter Aberglauben.

Trotzdem gibt´s manchmal „Stille Nacht“, wie niemand es sich hätt´ gedacht.

Am Heil´gen Abend, vorigs Jahr, beim Frühstück war´s noch wunderbar,
um zehne dann, i maan i tram, da sogt mei Frau: „I wüll an Bam!“
Wir hatten uns zwar ausgemacht, wir singen baumlos „Stille Nacht“,
doch ist mit diesen Frauenmächten niemals ein ew´ger Bund zu flechten.

So fahrn ma kreuz und quer durch d´Gegend, a Bam is z´groß, da aundre z´dünn,
a aundrer hot kan schönen Spitz, beim nächsten is der Preis a Witz.
So is dann scho fost Mittag gwesen, was hot sie kauft? An Riadlbesn!
Mit dera Staudn statt an Bam, do fohrn ma – leider streitert – ham.

Jetzt hammas – logisch – ziemlich eilig, der Tag is alles – nur net heilig.
So fohrn ma durch der Nerven Reizung bei rot über die nächste Kreuzung,
worauf ein Polizist erhält, an Teil von unserm Weihnachtsgeld.

Dies kann die Stimmung zwar nicht heben, doch kann man Schlimmeres erleben,
und noch viel schneller als wir dachten, uns neue Schicksalsschläge lachten.

Es stand mei Frau mit mir, dem Manne, und der zernepften Doppeltanne,
vor der versperrten Wohnungstür – doch ohne Schlüsselbund dafür.
Was soll ich ihnen weiter sagen? Die Tür beim Weggehen zugeschlagen.
Und jetzt wir beide, weiß wie Linnen, mit Sehnsucht nach der Tür von innen.

Es war schon finster, als sehr lam ein frohbefanter Schlosser kam.
Er öffnete, verklärt durch Rum, und sang dabei, mit sich zu zweit, von weihnachtlicher Herrlichkeit.

Genug des Ungemachs für heut´ – jetzt kommt des Tags Besinnlichkeit!
So dachte ich naiv bei mir, und mach fürn Karpfen die Panier.
Mei Frau, beim Schmücken mehr von Nutzen, begann das Strauchwerk aufzuputzen.

Der Karpfen guten Fortschritt macht, im Radio spielns „Stille Nacht“,
die Stimmung is ganz unbeschwert, auf amol hauts mei Frau um d´Erd.
Mit einem Schrei, dass alles bebt – so weiß ich, daß sie doch noch lebt –
verflucht sie in den höchsten Terzen, die Weihnachtsbaum-Elektrokerzen.

Grad wie sie feierlich gesungen, ist ihr der Kurzschlussknall gelungen,
und für des Knalles Stärke spricht, daß auch das Haus jetzt ohne Licht.

Und ohne Licht, heißt: ohne Ton, Hifi und Stereo, kein Phon,
der Heime Orgeln stehen stumm, kein Plattenteller dreht sich rum,
die Tele – ist nur noch – Vision, Verstärkerklänge sind entflohn.

Und eh das Hausvolk Wirbel macht, war drei Minuten – Stille Nacht.

Eine besinnliche und ruhige Weihnachtszeit

wünscht Österreich REKORDE.


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